Definition
Der Grundtatbestand ist die Ausgangsform (Normalform) eines Deliktstyps.
Erklärung
Der Grundtatbestand ist die Basis eines Deliktstyps. Zu einem Grundtatbestand können Qualifikationen , Privilegierungen und Regelbeispiele hinzukommen. Der Grundstatbestand enthält die Mindestanforderungen an die Strafbarkeit eines bestimmten Verhaltens.
Beispiele :
Die Verwirklichung einer Privilegierung, Qualifikation oder eines Regelbeispiels ist ohne die gleichzeitige Verwirklichung des Grundtatbestands nicht denkbar.
Privilegierungen und Qualifikationen verdrängen den Grundtatbestand im Wege der Gesetzeskonkurrenz (Spezialität ). Der Grundtatbestand wird bei Vorliegen eines Regelbeispiels in einem besonders schweren oder minder schweren Fall verwirklicht (Beispiel: Diebstahl in einem besonders schweren Fall, §§ 242, 243 StGB ).
Grundtatbestand und Qualifikation Ein Grunddelikt ist ein Tatbestand, der in sich abgeschlossen ist und eine eigenständige Strafbarkeit begründet und der darüber hinaus bei Hinzutreten weiterer Umstände Ausgangspunkt anderer Delikte sein kann. Ein Qualifikationstatbestand ist als Kehrseite derselben Medaille eine unselbständige Tatbestandsabwandlung, die sich aus einem Grundtatbestand und dazu tretenden weiteren Tatbestandsmerkmalen, die ebenfalls vom Vorsatz umfasst sein müssen, zusammensetzt und zu einer höheren Strafdrohung führt (z.B. § 224 StGB im Verhältnis zu § 223 StGB). Alexander Baur
FAQ
Was ist ein Grundtatbestand?
Der Grundtatbestand ist innerhalb einer bestimmten Gruppe von Delikten der Ausgangstyp. Er enthält die Mindestanforderungen an ein strafbares Verhalten.
Welche Ausprägungen eines Deliktstyps gibt es im Verhältnis zum Grundtatbestand?
Es gibt Qualifikationen , Privilegierungen und Regelbeispiele .
In welchem Verhältnis steht der Grundtatbestand zu Qualifikationen oder Privilegierungen?
Der Grundtatbestand wird zwar verwirklicht, er tritt jedoch im Wege der Spezialität zurück.
A bis Z
aberratio ictus
Absicht
Absorptionsprinzip
Abstiftung
Abstraktes Gefährdungsdelikt
actio libera in causa
Adäquanztheorie
Agent Provocateur
Aggressivnotstand
Alleintäter
Allgemeindelikt
Analogieverbot
Anstiftung
Antizipierte Notwehr
Äquivalenztheorie
Asthenischer Affekt
Aufbau der Straftat
Aufstiftung
Auslegungsmethoden
Bedingter Vorsatz
Beendeter Versuch
Beendigung
Beihilfe
Beschützergarant
Besondere persönliche Merkmale
Besondere Vorsatzformen
Bestimmtheitsgrundsatz
Beteiligung
Bewusste Fahrlässigkeit
Billigungstheorie
Dauerdelikt
Defensivnotstand
Deliktsformen
Deskriptive Tatbestandsmerkmale
dolus alternativus
dolus antecedens
dolus directus I
dolus directus II
dolus generalis
dolus subsequens
Echte Konkurrenz
Echtes Unterlassungsdelikt
Eigenhändiges Delikt
Eingeschränkte Schuldtheorie
Einverständnis
Entschuldigender Notstand
Entschuldigungsgründe
Entschuldigungsirrtum
Entschuldigungstatbestandsirrtum
Entsprechungsklausel
Erfolg
Erfolgsdelikt
Erfolgskupiertes Delikt
Erfolgsqualifiziertes Delikt
Erlaubnisirrtum
Erlaubnistatbestandsirrtum
Erlaubtes Risiko
Ernstnahmetheorie
error in obiecto
Erst-recht-Schluss
Extensiver Notwehrexzess
Fahrlässigkeit
Fahrlässige Mittäterschaft
Fahrlässige Teilnahme
Fehlgeschlagener Versuch
Festnahmerecht
Finale Handlungslehre
Fortsetzungszusammenhang
Garantenstellung
Gefährdungsdelikt
Gesamtstrafe
Gesetzlichkeitsprinzip
Gleichgültigkeitstheorie
Grade der Fahrlässigkeit
Grammatische Auslegung
Grundsätze
Grundtatbestand
Handlung
Handlungseinheit
Handlungsmehrheit
Haupttat
Historische Auslegung
Idealkonkurrenz
Indizwirkung des Tatbestands
in dubio pro reo
Ingerenz
Irrtum
Irrtum über den Sachverhalt
Irrtum über die rechtliche Bewertung
Kausale Handlungslehre
Kausalität
Kausalität der Beihilfe
Konkretes Gefährdungsdelikt
Konkurrenzen
Konsumtion
Leichtfertigkeit
Limitierte Akzessorietät
Mitbestrafte Nachtat
Mitbestrafte Vortat
Mittäterschaft
Mittelbare Täterschaft
Möglichkeitstheorie
Mutmaßliche Einwilligung
Natürliche Handlung
Natürliche Handlungseinheit
Nebentäter
Negative Tatbestandsmerkmale
Neutrale Beihilfe
Normative Tatbestandsmerkmale
Nothilfe
Notwehr
Notwehrexzess
Notwehrprovokation
Notwendige Teilnahme
Objektive Bedingungen der Strafbarkeit
Objektiver Tatbestand
Objektive Sorgfaltspflichtverletzung
Objektive Zurechnung
omnimodo facturus
Parallelwertung in der Laiensphäre
Pflichtwidrigkeitszusammenhang
Postpendenz
Potenzielles Gefährdungsdelikt
Potenzielles Unrechtsbewusstsein
Präpendenz
Präventivnotwehr
Privilegierung
Psychische Beihilfe
Putativnotwehr
Qualifikation
Realkonkurrenz
Rechtfertigende Einwilligung
Rechtfertigende Pflichtenkollision
Rechtfertigender Notstand
Rechtfertigungsgründe
Rechtmäßiges Alternativverhalten
Rechtswidrigkeit
Regelbeispiel
Risikotheorie
Risikoverringerung
Rücktritt vom Versuch
Rückwirkungsverbot
Sachverhalt
Schuld
Schuldfähigkeit
Schutzzweck der Norm
Simultanitätsprinzip
Sonderdelikt
Soziale Handlungslehre
Spezialität
Strafaufhebungsgrund
Strafausschließungsgrund
Strenge Schuldtheorie
Subjektiver Tatbestand
Subjektive Sorgfaltspflichtverletzung
Subjektives Rechtfertigungselement
Subsidiarität
Subsumtion
Subsumtionsirrtum
Systematische Auslegung
Täter hinter dem Täter
Täterschaft
Tätigkeitsdelikt
Tatbestand
Tatbestandliche Handlungseinheit
Tatbestandsirrtum
Tatentschluss
Tatherrschaft
Teilnahme
Teleologische Auslegung
Teleologische Reduktion
Übergesetzlicher entschuldigender Notstand
Übernahmefahrlässigkeit
Überschießende Innentendenz
Überwachungsgarant
Umstiftung
Unbeendeter Versuch
Unbewusste Fahrlässigkeit
Unechte Konkurrenz
Unechtes Unterlassungsdelikt
Unmittelbares Ansetzen
Untauglicher Versuch
Unterlassungsdelikt
Unternehmensdelikt
Unvereinbarkeitstheorie
Unzumutbarkeit normgemäßen Verhaltens
Verbotsirrtum
Verbrechen und Vergehen
Verhaltensgebundenes Delikt
Verjährung
Verklammerung
Verletzungsdelikt
Versuch
Vertrauensgrundsatz
Vollendung
Vorbereitung
Vorsatz
Wahlfeststellung
Wahndelikt
Wahrscheinlichkeitstheorie
Züchtigungsrecht
Zustandsdelikt
Strafrecht Definitionen > Deliktsformen > Grundtatbestand > Qualifikation | Privilegierung | Regelbeispiel
A-B |
D-E |
F-J |
K-O |
P-R |
S-T |
U-Z
Verwandte Themen :
Qualifikation | Privilegierung | Regelbeispiel
Links
→ Prüfungsschema Totschlag (§ 212 StGB)
→ Prüfungsschema Mord (§ 211 StGB)
→ Prüfungsschema Diebstahl (§ 242 StGB)
→ Prüfungsschema Besonders schwerer Fall des Diebstahls (§ 243 StGB)
→ Prüfungsschema Diebstahl mit Waffen (§ 244 StGB)
→ Crashkurs Deliktseinteilungen
→ BGH 1 StR 118/20 : Tateinheit zwischen besonders schwerer Brandstiftung und einfacher Körperverletzung → Georg Küpper : Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Grunddelikt und schwerer Folge beim erfolgsqualifizierten Delikt (1982) | Amazon #Anzeige