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Postpendenz

Postpendenz

Ein Fall der Postpendenz liegt vor, wenn die Vortat ungewiss ist – bei Gewissheit würde dagegen die Strafbarkeit der unzweifelhaft vorliegenden Nachtat entfallen. Postpendenz kann sich auf zwei Ebenen auswirken:

  • Beim Tatbestand: Fälle der Hehlerei (§ 259 StGB) mit zweifelhafter Beteiligung am vorangegangenen Diebstahl. Läge diese zweifelsfrei vor, entfiele schon der Tatbestand der Hehlerei (… Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat).
  • Bei den Konkurrenzen: wenn die zweifelsfreie spätere Tat eine mitbestrafte Nachtat wäre.

Nach hM wird der Täter wegen der Nachtat verurteilt. Eine doppelte Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo würde zu ungerechten Ergebnissen führen. Denn dann würde derjenige, der möglicherweise eine Vortat begangen hat, besser stehen als derjenige, der dies zweifelsfrei nicht getan hat. Nur eine bewiesene Vortat kann Anlass dafür sein, wegen einer ebenfalls bewiesenen Tat auf Bestrafung zu verzichten.

Verwandte Themen

Präpendenz | Wahlfeststellung | in dubio pro reo

Links

BGH 2 StR 320/17: Postpendenz und Wahlfeststellung bei Diebstahl und Hehlerei
BGH 4 StR 651/10: Postpendenzfeststellung und Wahlfeststellung (Mittäterschaft zum Diebstahl und Hehlerei)

FAQ

Was heißt Postpendenz?

Auf welchen Ebenen können Postpendenz-Fälle relevant werden?

Wie löst die herrschende Meinung Fälle der Postpendenz?

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