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Tatherrschaft

Tatherrschaft

Definition

Tatherrschaft ist das bewusste In-den-Händen-Halten des Geschehensablaufs.

Erklärung

Die Tatherrschaft dient vor allem als Kriterium bei Abgrenzungsfragen zwischen Täterschaft, Teilnahme, Mittäterschaft und mittelbarer Täterschaft. Tatherrschaft bedeutet das bewusste In-den-Händen-Halten des Geschehensablaufs.

  • Nach der objektiven Theorie ist Täter, wer das Geschehen objektiv in der Hand hat.
  • Für die frühere Rechtsprechung (sog. animus-Theorie) war dagegen eine objektive Tatherrschaft nicht erforderlich. Entscheidend seien subjektive Kriterien: Täter ist, wer die Tat als eigene will; Teilnehmer ist, wer die Tat als fremde will.

Für die Frage der Tatherrschaft ist die Mitwirkung am Tatort nicht unbedingt ausschlaggebend. Die sogenannte funktionelle Tatherrschaft gleicht durch die Stellung eines Täters in der Gesamtorganisation des Geschehens die Abwesenheit am Tatort aus.

Für den mittelbaren Täter kann die Tatherrschaft unterschiedlich begründet sein:

  • Wissensherrschaft (Beispiel: Hintermann nutzt Irrtum des Werkzeugs)
  • Willensherrschaft (Beispiel: Hintermann ist schuldunfähig)
  • Organisationsherrschaft (Beispiel: Täter hinter dem Täter)

BGH: Kriterien für Täterschaft
Ob der Beitrag eines Beteiligten ein seine Täterschaft begründendes enges Verhältnis zur Tat aufweist, ist aufgrund einer wertenden Gesamtbetrachtung aller Umstände zu prüfen, wobei wesentliche Anhaltspunkte sein können der Grad des eigenen Interesses am Taterfolg, der Umfang der Tatbeteiligung und die Tatherrschaft oder wenigstens der Wille zur Tatherrschaft.
BGH 2 StR 220/17




FAQ

Was bedeutet Tatherrschaft?

Wozu dient der Begriff der Tatherrschaft?

Kann jemand, der überhaupt nicht am Tatort anwesend ist, Täter sein?


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Verwandte Themen: Mittäterschaft | Mittelbare Täterschaft | Täter hinter dem Täter


Links

Prüfungsschema Täterschaft/Teilnahme
Prüfungsschema Mittäter (gemeinsam)
Prüfungsschema Mittäter (getrennt)
Prüfungsschema Beihilfe
Prüfungsschema Anstiftung
Crashkurs Täterschaft und Teilnahme
BGH 6 StR 68/21: Tatherrschaft bei Selbsttötung/Tötung auf Verlangen (Zombie-Fall)
BGHSt 40, 218: Tatherrschaft bei Mittäterschaft und mittelbarer Täterschaft
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