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Wahndelikt

Wahndelikt

Definition

Beim Wahndelikt geht der Täter davon aus, dass sein Verhalten einen in Wirklichkeit nicht existierenden Straftatbestand erfüllt.

Erklärung

Beim Wahndelikt nimmt der Täter irrig an, dass sein Verhalten strafbar sei. Den Sachverhalt schätzt er dabei richtig ein. Der Irrtum des Täters kann auf drei verschiedenen Gründen beruhen:

  • Annahme eines Tatbestands, der in Wahrheit nicht existiert,
  • falsche Auslegung eines Tatbestandsmerkmals,
  • falsche Einschätzung der Grenzen eines Rechtfertigungsgrunds.

Beispiel: Der verheiratete M hat ein Verhältnis mit seiner Nachbarin. M glaubt, dass Ehebruch strafbar sei.

Die Rechtsfolge eines Wahndelikts ist Straflosigkeit. Denn es gibt keinen Tatbestand, der zu prüfen wäre.

  • Das Wahndelikt ist ein umgekehrter Verbotsirrtum. Bei einem Verbotsirrtum hält der Täter trotz richtiger Einschätzung des Sachverhalts sein Tun für erlaubt, beim Wahndelikt hält er es für verboten.
  • Beim untauglichen Versuch beruht die Auffassung des Täters, dass er einen Tatbestand erfüllt, auf einer falschen Vorstellung vom Sachverhalt, beim Wahndelikt beruht dies auf einer falschen Vorstellung vom Gesetz.

Untauglicher Versuch oder Wahndelikt?
Einen untauglichen Versuch begeht, wer lediglich irrig einen singulären Sachverhalt annimmt, der unter die korrekt verstandene Norm zu subsumieren wäre, wenn er zuträfe. Ein Wahndelikt liegt hingegen vor, wenn der Täter den singulären Sachverhalt zutreffend erkannt hat, ihn aber lediglich unter eine angenommene Rechtsnorm subsumiert, von der er annimmt, dass sie existiert, während sie in der normativen Wirklichkeit des Rechtssystems nicht existiert.
Friedrich Toepel




FAQ

Was ist ein Wahndelikt?

Ist ein Wahndelikt straflos?

Was ist der Unterschied zwischen Wahndelikt und Verbotsirrtum?

Was ist der Unterschied zwischen Wahndelikt und einem untauglichen Versuch?


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Verwandte Themen: Untauglicher Versuch | Verbotsirrtum


Links

Crashkurs Irrtum
BGH 1 StR 614/16: Abgrenzung Wahndelikt und untauglicher Versuch
Friedrich Toepel: Zur Abgrenzung von untauglichem Versuch und Wahndelikt (PDF)
Julian Glandien: Fehlvorstellungen im Markenstrafrecht · Zugleich ein Beitrag zur Abgrenzung von Tatbestands- und Verbotsirrtum sowie von untauglichem Versuch und Wahndelikt (2018) | Amazon #Anzeige
Sven Seeger: Versuch und Rücktritt · Die Strafbarkeit des untauglichen Versuchs und deren Abgrenzung zum Wahndelikt (2012) | Amazon #Anzeige

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