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Verbotsirrtum

Verbotsirrtum

Beim Verbotsirrtum (§ 17 StGB) hält der Täter sein Verhalten für erlaubt. Obwohl er alle Umstände des Tatbestands (also den Sachverhalt) richtig sieht, erkennt er das Unrecht seines Handelns nicht.

Ein Entschuldigungsgrund liegt nur bei einem unvermeidbaren Verbotsirrtum vor. Dass ein potenzielles Unrechtsbewusstsein für die Strafbarkeit ausreicht, liegt an der sogenannten Appellfunktion des Tatbestands. Wenn ein solcher Tatbestand existiert, hat der Täter Anlass, intensiver über die Rechtswidrigkeit seines Handelns nachzudenken.

Der Verbotsirrtum kann in drei Formen auftauchen:

  • Der Täter kennt das Verbot nicht.
  • Der Täter irrt über die Existenz eines Rechtfertigungsgrunds oder dehnt den Rechtfertigungsgrund zu weit aus (umgekehrter Verbotsirrtum, Erlaubnisirrtum).
  • Der Täter subsumiert sein Verhalten falsch, ohne dass aber ein Tatbestandsirrtum vorliegt.

Beispiel: Der Täter meint, dass er eine von einem anderen verlorene Sache an sich nehmen darf, um sie zu behalten (§ 246 StGB).

Rechtsfolge: Die Schuld entfällt, wenn der Irrtum unvermeidbar war. Das ist allerdings selten.

Der Verbotsirrtum ist ein umgekehrtes Wahndelikt.

FAQ

Auf welcher Stufe des Deliktsaufbaus wird der Verbotsirrtum (§ 17 StGB) geprüft?

In welchen drei Formen kann ein Verbotsirrtum vorliegen?

Wenn der Täter einem vermeidbaren Verbotsirrtum unterliegt, ist er dann wegen eines eventuell vorliegenden Fahrlässigkeitsdelikts strafbar?

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